Der neue EU-Führerschein

Nachdem die Europäische Union bereits im Dezember 2006 die dritte EG-Richtlinie zum Führerschein beschlossen hatte, traten die Änderungen zum 19.01.2013 in Kraft. Mit den neuen Richtlinien soll der Vielzahl von unterschiedlichen Dokumenten ein Ende bereitet werden. Derzeit sehen sich Polizisten und Behörden bei Kontrollen mehr als hundert verschiedenen Führerscheinen in den unterschiedlichsten Formen gegenüber. Fälschungen lassen sich so nur sehr schwierig erkennen. Dazu kommt, dass die Fotos in vielen Fällen veraltet sind.

Verbesserte Sicherheit

Seit dem 19.01.2013 werden alle Führerscheine innerhalb der EU in einem einheitlichen Format ausgestellt. Dieses entspricht von der Größe dem einer Scheckkarte und enthält neben dem Lichtbild standardisierte Informationen, die EU-weit lesbar sind. Der Führerschein verfügt über eine Reihe von Sicherheitsmerkmalen, mit denen Fälschungen verhindert werden sollen. So werden die Personendaten mittels eines speziellen Verfahrens auf dem Dokument angebracht. Wird der Führerschein gegen das Licht gehalten, ist ein stilisiertes „E“ zu erkennen. Die verwendete Spezialfarbe sorgt dafür, dass sich je nach Betrachtungswinkel eine unterschiedliche Farbwiedergabe ergibt. Zeitgleich mit dem neuen EU-Führerschein wurde ein neues Datenaustauschsystem eingeführt. Mit diesem soll verhindert werden, dass sich Autofahrer denen in ihrem Heimatland die Fahrerlaubnis entzogen wurde on einem anderen EU-Land einen neuen Führerschein besorgen. Gleichzeitig wird das Verwaltungsverfahren beim Umzug in ein anderes EU-Land vereinfacht.

Umtausch und Befristung

Zu den zentralen Änderungen gehört, dass der neue EU-Führerschein keine unbegrenzte Gültigkeit mehr besitzt. Autofahrer müssen ihren Führerschein alle 15 Jahre erneuern lassen. Die Befristung betrifft allerdings lediglich das Dokument, die erworbene Fahrerlaubnis gilt auch weiterhin unbegrenzt. Somit ist bei der Erneuerung keine neue Fahrprüfung oder Gesundheitsprüfung erforderlich. Die Erneuerung dient lediglich dazu, die Informationen auf dem Führerschein sowie das Lichtbild auf einem aktuellen Niveau zu halten. Zudem können die Sicherheitsmerkmale der Karten, falls erforderlich an neue Technologien angepasst werden. Eine Verpflichtung zum Umtausch des in einen neuen EU-Führerschein gibt es nicht. Die bestehenden Dokumente bleiben bis zu 19.01.2033 ohne Einschränkungen gültig.

Neue Schutzbestimmungen für unfallgefährdete Fahrer

Mit dem europäischen Führerschein verfolgt die EU-Kommission zudem das Ziel, besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer besser zu schützen. Um dies zu erreichen, wurden die folgenden Maßnahmen beschlossen:

  • Für die stärksten Krafträder wurde der direkte Zugang mittels einer theoretischen und praktischen Prüfung von 21 auf 24 Jahre erhöht.
  • Für Kleinkrafträder wurde eine neue Fahrzeugkategorie eingeführt. Zudem muss für die Ausstellung eines Kleinkraftrad-Führerscheins künftig eine theoretische Prüfung abgelegt werden. Den einzelnen Mitgliedsstaaten ist dabei freigestellt, ob sie noch zusätzliche Prüfungen oder ärztliche Untersuchungen einführen. Die Europäische Union empfiehlt für die gegenseitige Anerkennung der Führerscheine ein Mindestalter von 16 Jahren. Für das eigene Staatsgebiet können die Länder das Mindestalter auf 14 Jahre herabsetzen.
  • Für den stufenweisen Zugang wurden zusätzliche Schritte eingeführt. Statt wie bisher zwei Jahre ist nun eine Fahrpraxis von vier Jahren erforderlich, bevor eine Fahrerlaubnis für die stärksten Krafträder ausgestellt werden kann.

Neuerungen bei den Führerscheinklassen

Seit dem 19.01.2013 gilt ein EU-weit einheitliches Fahrerlaubnisrecht mit insgesamt 16 Führerscheinklassen. Dabei besteht die Möglichkeit, diese durch Schlüsselzahlen individuell einzuschränken oder zu erweitern. Neuerungen gibt es vor allem für Zweiradfahrer. So wurde unter anderem die Motorradklasse A1 erweitert. Unverändert bleibt die Gültigkeit für Leichtkrafträder bis zu 125 ccm sowie Dreiräder mit maximal 15 PS. Allerdings entfällt die Beschränkung auf eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h bis zum 18. Lebensjahr.

Die Motorradklasse A mit Beschränkungen für Zweiräder mit bis zu 34 PS wurde abgeschafft und durch die neue Klasse A2 mit einem Mindestalter von 18 Jahren ersetzt. Mit dieser können nun Zweiräder mit bis zu 48 PS gefahren werden. Neu ist zudem, dass Fahranfänger nicht mehr automatisch in die Klasse A ohne Beschränkung aufsteigen. Um Zweiräder mit unbeschränkter Leistung fahren zu dürfen ist nun eine erneute Führerscheinausbildung inklusive einer praktischen Prüfung erforderlich.

Änderungen bei Fahrzeuganhängern und Fahrzeugkombinationen

Für Autofahrer mit einem Führerschein der Klasse B wurde die erlaubte Gesamtmasse für Fahrzeuggespanne erhöht. Sofern das Gesamtgewicht nicht mehr als 3,5 Tonnen beträgt können fortan auch Anhänger mit einem Gewicht von mehr als 750 Kilogramm mitgeführt werden. Bisher war hierfür ein Führerschein der Klasse BE erforderlich. Zur Ermittlung des Gesamtgewichts reicht es nunmehr aus, die zGM von Fahrzeug und Anhänge zu addieren. Die umständliche Berechnung der Stütz- und Aufliegelasten entfällt damit.

Autofahrer die höhere Gesamtlasten befördern möchten können hierzu zusätzliche Fahrstunden absolvieren. Auf diese Weise lässt sich das zulässige Gesamtgewicht von Fahrzeugkombinationen auf bis zu 4,25 Tonnen steigern. Gekennzeichnet wird dies im Führerschein durch die Schlüsselnummer 96. Anwendung finden die neuen Regelungen auch für Camping-Fahrzeuge und schwere Caravans.

Neue Regelungen für Trikes

Dreirädrige Kraftfahrzeuge zählen mit den Neuregelungen nicht mehr zur PKW-Führerscheinklasse B, sondern werden der Motorradklasse A1 zugeordnet. Diese erlaubt das Fahren von Trikes mit einer Leistung von maximal 15 PS. Für leistungsstärkere Trikes wird ein Führerschein der Klasse A benötigt. Allerdings erlaubt der Motorradführerschein kein Fahren von Trikes mit Anhänger.

Einführung von neuen Schlüsselzahlen

Autofahrer mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen welche sich auf die Fahrtüchtigkeit auswirken, erhalten die Fahrerlaubnis nur noch unter Auflagen oder mit Einschränkungen. Diese werden in verschlüsselter Form auf dem Führerschein eingetragen. So bedeutet die Schlüsselzahl 01 beispielsweise, dass zum Führen des Fahrzeugs eine Sehhilfe erforderlich ist. Ist im Führerschein die Schlüsselzahl 78 eingetragen, dürfen nur Fahrzeuge mit Automatikgetriebe gefahren werden.